Die Lage in Main-Rhön ist nach wie vor kritisch. Seit Anfang 2024 sind in der Region bereits rund 3.500 Industriearbeitsplätze verloren gegangen – ein Trend, der sich durch bereits beschlossene Abbauprogramme weiter verschärfen wird. Die Folgen reichen weit über die Werkstore hinaus: Verlust von Arbeitsplätzen im Handel und Handwerk, Belastungen für Kommunen, steigende Risiken für soziale Sicherungssysteme.
Regionale Stärken bieten enorme Chancen
Trotz dieser kritischen Lage hebt das Forderungspapier der IG Metall Schweinfurt die strategischen Vorteile und erheblichen Stärken der Region hervor:
- Es sind hier Hightech-Zulieferer mit technologischen Vorsprüngen und hochqualifizierter Belegschaft ansässig.
- Es besteht eine ausgeprägte Industrialisierungskompetenz für Zukunftsfelder wie Raumfahrt, Robotik, Wasserstoff und Kreislaufwirtschaft.
- Es gibt reichlich Innovationskraft durch neue Technologien – auch dank der Technischen Hochschule Würzburg-Schweinfurt mit technisch einschlägigen Studiengängen.
- Fachkräftebasis und Industriekultur sind sehr ausgeprägt.
- Es gibt eine gute regionale Infrastruktur mit hoher Unternehmensdichte, verfügbaren Gewerbeflächen und bezahlbarem Wohnraum.
Diese Stärken sind aus Sicht der IG Metall ein klarer Auftrag an die Politik, an die Bayerische Staatsregierung gezielt in Zukunftsfähigkeit in der Region Main-Rhön zu investieren.
Zentrale Forderungen an die Staatsregierung
Um den industriellen Kern der Region zu sichern, benennt das Forderungspapier der
IG Metall Schweinfurt strategische Handlungsebenen:
A. Verlässliche und wirksame Förderung
- Konsequente Umsetzung aller zugesagten Maßnahmen des „Acht-Punkte-Plans für Schweinfurt“
- Explizite Förderfähigkeit von Investitionen in Produktionsanlagen, Umrüstung und industrielle Transformation
B. Zukunftsprojekte beschleunigen
- KI‑Gigafactory für die Region Schweinfurt – schnell und verbindlich
- Stärkung der Ersten Modellstadt Elektromobilität Bayerns, Bad Neustadt an der Saale
- Unterstützung bei der Erschließung neuer Geschäftsfelder (u. a. Automatisierung, Robotik, Luft‑ und Raumfahrttechnik)
C. Faire Wettbewerbsbedingungen sichern
- Mehr politisches Gewicht Bayerns für faire internationale Wettbewerbsbedingungen
- Investitionsorientierte europäische Industrie- und Förderpolitik
D. Region stärken – Wertschöpfung vor Ort halten
- Local-Content-Ansatz bei Vergabe und Investitionen
- Bessere Rahmenbedingungen für Unternehmensgründungen, Erweiterungen und Ansiedlungen
E. Transformation gestalten
- Stärkung der Produktivität durch Digitalisierung und Künstliche Intelligenz
- Schnellere Entscheidungsprozesse in Politik und Behörden
- Industrielle Transformation gemeinsam gestalten – ohne Stellenabbau als Standardlösung
Thomas Höhn, Geschäftsführer der IG Metall Schweinfurt, betont: „Unser Ziel ist klar: Wir wollen industrielle Wertschöpfung in der Region Main-Rhön halten, neue Geschäftsfelder erschließen und den Menschen Perspektiven bieten. Dafür übergeben wir unsere Vorschläge. Der Standort darf nicht weiter geschwächt werden, sondern muss mit neuen Chancen aus dem industriellen Wandel hervorgehen. Diese Region bietet so viel und hat noch so viel Potenzial – wir wollen Impulse setzen, damit diese Chancen auch konsequent genutzt werden.“