Weiterer Einschnitt bei Preh - Stellungnahme der IG Metall
Widerstand ist mehr als Lautstärke, Widerstand bedeutet Standfestigkeit

Nicht resignieren, sich nicht klein machen – und das gehen wir gemeinsam an. Im Folgenden veröffentlichen wir ein Statement von Thomas Höhn, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Schweinfurt, zur Situation bei Preh.

27. November 202527. 11. 2025


„Der Standort Preh in Bad Neustadt steht für über 100 Jahre industrielle Geschichte und für eine außergewöhnliche Fähigkeit zur Veränderung. Von der Puppenherstellung bis hin zu einem modernen Hightech-Unternehmen hat sich dieser Betrieb immer wieder neu erfunden – getragen von Know-how, Innovationskraft und dem Willen, Wandel aus eigener Stärke heraus zu gestalten. Diese Entwicklung war mehr als technischer Fortschritt – sie war Ausdruck eines gelebten Unternehmensgeistes. Genau diesen Unternehmensgeist sehen wir heute jedoch nicht mehr. Ebenso wenig ist ein ernsthaftes, gelebtes Interesse des Eigentümers erkennbar, diesen Standort zu erhalten und dem Pioniergeist der Vergangenheit einen stabilen, tragfähigen Rahmen für die Zukunft zu geben.

Transformation bedeutet mehr als die Verlagerung von Technologie dorthin, wo vermeintlich höhere Renditen erwartet werden. Echte Transformation heißt, Verantwortung für Menschen, Wissen und gewachsene Strukturen zu übernehmen. Wenn einem Standort die Tiefe entzogen wird, verliert er seine Zukunftsfähigkeit – und damit mehr als nur Arbeitsplätze.

Bereits im Juli 2024 hat das Unternehmen ein umfangreiches Abbauprogramm von rund 420 Arbeitsplätzen durchgesetzt. Nun folgt ein weiterer massiver Einschnitt: Aktuell sollen erneut 280 Arbeitsplätze in sehr kurzer Zeit abgebaut werden – bereichsübergreifend und ohne auch nur den Anspruch einer „möglichst sozialverträglichen“ Umsetzung zu formulieren. Das lässt tief blicken.

Heute am 27.11. hat dazu eine erste Mitarbeiterinformation stattgefunden, zu der der Betriebsrat im Rahmen einer außerordentlichen Betriebsversammlung eingeladen hat. Ich habe eine Stimmung erlebt, die geprägt war von großer Verunsicherung, spürbarem Vertrauensverlust und einer tiefen Erschütterung vieler Beschäftigter. Gerade in dieser Situation braucht es Halt, Klarheit und Nähe zu den Menschen. Sicherheit entsteht nicht durch Ankündigungen, sondern durch verlässliche Verfahren, Transparenz und respektvollen Umgang. Mindestens das mit Nachdruck einzufordern, ist unsere gemeinsame Aufgabe.

Widerstand ist mehr als Lautstärke. Widerstand ist Standfestigkeit. Standfestigkeit im Zusammenhalt, in der Haltung und im Anspruch, nicht schweigend hinzunehmen, wenn ein traditionsreicher Standort schrittweise ausgehöhlt wird.

Die IG Metall steht an der Seite der Beschäftigten – solidarisch, klar und unterstützend. Ziel ist es jetzt, Würde zu sichern, Perspektiven zu entwickeln und faire Lösungen zu erreichen, die den Menschen und der Geschichte dieses Standorts gerecht werden.“