Erkämpft – nicht zufällig entstanden: die Modellstadt Elektromobilität
Die Entscheidung, Bad Neustadt an der Saale zur Modellregion Elektromobilität zu entwickeln, war kein Zufall und kein politisches Marketingprojekt. Sie war das Ergebnis eines historischen Kraftakts der Region.
Im Jahr 2010 drohte mit dem angekündigten Abbau von Hunderten Arbeitsplätzen bei Siemens der industrielle Kern der gesamten Region zu zerbrechen. Was folgte, war eine beispiellose Welle der Solidarität: Zehntausende Menschen gingen auf die Straße, Betriebe standen zusammen, Familien, Kommunen und Gewerkschaften kämpften gemeinsam um die industrielle Zukunft der Rhön. Dieser massive gesellschaftliche Druck war die Grundlage dafür, dass neue Perspektiven entstanden – insbesondere die Ansiedlung und Entwicklung von Elektromobilität als Zukunftstechnologie. Die Region bewies damals, dass sie Innovationskraft, Automobilkompetenz und digitales Know-how besitzt – und dass sie bereit ist, Verantwortung für industrielle Wertschöpfung zu übernehmen.
2026: Das Erreichte ist in Gefahr
Anfang 2026 steht dieses gemeinsame Erreichte massiv unter Druck. Die weitreichenden und standortgefährdenden Entscheidungen von Preh und zuletzt die Ankündigung der vollständigen Standortschließung von Valeo gefährden nicht nur einzelne Arbeitsplätze, sondern das gesamte industrielle Ökosystem der Region. Was über Jahre hinweg aufgebaut wurde – Know-how, Innovationskraft, Entwicklungskompetenz in der Automobilindustrie und der Elektromobilität – droht durch kurzsichtige, intransparente und standortferne Unternehmensstrategien verloren zu gehen. Das betrifft nicht nur Beschäftigte, sondern die wirtschaftliche und gesellschaftliche Zukunft einer ganzen Region.
Thomas Höhn, Geschäftsführer der IG Metall Schweinfurt, erklärt dazu: „Vieles was wir heute in Bad Neustadt an der Saale sehen, wurde gemeinsam erkämpft – von einer Region, die verstanden hat, dass industrielle Wertschöpfung die Grundlage für gute Arbeit, gesellschaftlichen Zusammenhalt und Zukunftschancen ist. Wenn heute Konzerne das ohne jeden Bezug zur Region verantwortungslos aufs Spiel setzen, dann dürfen wir das nicht hinnehmen. Die Rhön hat immer bewiesen, dass sie Flagge zeigen kann. Das brauchen wir jetzt wieder – 2026.“
Die aktuelle Situation ist mehr als eine unternehmerische Einzelfallentscheidung. Sie ist ein gesellschaftlicher Prüfstein: Bleibt industrielle Innovation mit guter Arbeit in der Region verankert – oder wird sie schleichend abgezogen?
Deshalb braucht es erneut ein klares, öffentliches Zeichen.
Thomas Habermann, Landrat Rhön-Grabfeld, betont:
„Der massive Stellenabbau bei Preh und die Schließung von Valeo treffen viele Familien in Rhön-Grabfeld hart – allein in den vergangenen zwei Jahren sind rund 1.700 Arbeitsplätze verloren gegangen. Als Landkreis stehen wir fest an der Seite der Beschäftigten und setzen gemeinsam mit Sozialpartnern und Unternehmen alles daran, neue Perspektiven, sichere Arbeit und industrielle Zukunft vor Ort zu schaffen.“
Michael Werner, Bürgermeister Bad Neustadt an der Saale, unterstreicht:
“Das Know-how, die Expertise und die starke Ingenieursleistung der letzten Jahre darf nicht einfach aufgegeben werden. Mit Zusammenhalt und Mut können wir diese starke Industrie-Region aufrechterhalten. Als Lokalpolitiker stehe ich an der Seite unserer Bevölkerung und den Unternehmen für zielführende Gespräche zur Verfügung.“
Gemeinsam rufen wir dazu auf, wieder geschlossen aufzustehen: Bürgerinnen und Bürger, Beschäftigte, Familien, Vereine, Betriebe, Kommunalpolitik und Zivilgesellschaft.
Die Rhön steht wieder gemeinsam auf.
Für den Erhalt des industriellen Kerns.
Für Innovation, Digitalisierung und Elektromobilität.
Für gute Arbeit und eine Zukunft in unserer Region.
Wir laden zu einem großen gemeinsamen Demonstrationszug und einer Kundgebung auf dem Marktplatz in Bad Neustadt an der Saale ein – Hand in Hand, gemeinsam mit der gesamten Gesellschaft. Denn eines ist klar: Rückzug ist keine Option. Haltung zeigen schon.