ZF setzt auf Eigenfertigung: Starkes Signal für Schweinfurt
Die Entscheidung von ZF, den E-Motor weiter selbst zu fertigen, ist aus Sicht der IG Metall Schweinfurt ein wichtiges Signal für Schweinfurt und eine große Chance für die Zukunft industrieller Wertschöpfung in der Region. „Wir haben dafür gekämpft, dass die Division E nicht verkauft wird und die Beschäftigten überhaupt die Chance bekommen, zu beweisen, dass das Produkt und die Elektromobilität im internationalen Vergleich konkurrenzfähig sein können. Dass heute die Entscheidung für ‚Make‘ gefallen ist, bedeutet, dass Technologie, Know-how und Wertschöpfungstiefe im Konzern und in der Region erhalten bleiben“, erklärt Thomas Höhn, 1. Bevollmächtigter der IG Metall Schweinfurt.
Höhn zeigt sich zugleich beeindruckt vom Einsatz der Beschäftigten in den vergangenen Monaten: „Ich bin tief beeindruckt davon, mit welcher Leidenschaft, welchem Fachwissen und welcher Energie so viele Kolleginnen und Kollegen in den vergangenen Monaten für den Erhalt des E-Motors gearbeitet haben. Darauf können die Beschäftigten stolz sein.“
„Die Kolleginnen und Kollegen haben in den vergangenen Monaten enormen Druck ausgehalten und gleichzeitig mit großem Engagement dafür gearbeitet, dass der E-Motor in Schweinfurt eine Zukunft hat“, erklärt Frank Veth, Betriebsratsvorsitzender am Standort Schweinfurt. „Deshalb ist die heutige Entscheidung wichtig. Jetzt gilt es, genau diesen Spirit, dieses Engagement und dieses Know-how zu nutzen, um die Chance, die sich mit der Make-Entscheidung eröffnet, auch wirklich erfolgreich zu machen.“
Engagement der Beschäftigten zahlt sich aus
„Die heutige Entscheidung steht natürlich auch im direkten Zusammenhang mit den massiven Protesten der Beschäftigten rund um die Aufsichtsratssitzung am 29. Juli 2025“, erklärt Oliver Moll, Mitglied des Aufsichtsrates und stellvertretender Betriebsratsvorsitzender in Schweinfurt. „Die vielen tausend ZF-Beschäftigten, die damals auf die Straße gegangen sind, waren sicherlich ein zentraler Baustein dafür, die Entscheidung im Aufsichtsrat so zu beeinflussen, dass wir heute die Chance haben, uns aus eigener Kraft weiterzuentwickeln. Das anschließende Bündnispapier hat den jetzigen Prozess überhaupt erst möglich gemacht.“
Für die IG Metall ist die Entscheidung auch ein Signal, dass Widerstand gegen den Abbau industrieller Strukturen Wirkung zeigen kann. „Es lohnt sich, sich auf die Hinterbeine zu stellen und nicht einfach hinzunehmen, was Konzerne strategisch bereits vorbereitet haben“, sagt der Erste Bevollmächtigte Thomas Höhn. Gleichzeitig macht die IG Metall deutlich, dass die Entscheidung mit weiteren Restrukturierungen und schmerzhaften Veränderungen verbunden sein wird. „Die Entscheidung ist kein Endpunkt und es wird auch kein einfacher Weg. Es wird weiteren Personalabbau geben. Für eine Reihe von Beschäftigten bedeutet das leider, dass ihre Zukunft nicht mehr bei ZF liegen wird.“
Etappensieg mit klarem Auftrag für die Zukunft
Die kommenden Schritte wollen IG Metall und Betriebsräte eng begleiten und dabei vor allem auf Transparenz gegenüber den Beschäftigten drängen. „Unser Ziel ist es, dass vor allem die betroffenen Kolleginnen und Kollegen schnell Klarheit, Informationen und Perspektiven bekommen. Die heutige Entscheidung ist deshalb kein Schlussstrich, sondern ein wichtiges Etappenziel im Kampf um industrielle Zukunft und Beschäftigung in Deutschland und in Schweinfurt.“
Als grundsätzliche Botschaft formuliert Höhn: „Die Entscheidung für ‚Make‘ ist ein wichtiges Signal für Schweinfurt und Auerbach. Ohne den Druck der Beschäftigten und ohne den Widerstand gegen den Ausverkauf von Wertschöpfung wäre diese Entscheidung so nicht gefallen. Gleichzeitig muss jedem klar sein: Das wird kein einfacher Weg. Die Restrukturierungen bleiben hart. Aber wir haben jetzt die Chance, industrielle Zukunft hier vor Ort zu erhalten – und dafür hat sich der Kampf gelohnt.“
Hintergrund:
Im Sommer 2025 wurde bekannt, dass ZF beabsichtigte, die Division E beziehungsweise wesentliche Teile des elektrischen Antriebsstrangs zu verkaufen und zentrale Komponenten der Elektromobilität künftig nicht mehr in Eigenfertigung zu entwickeln und zu produzieren.
Nach massiven Protesten der Beschäftigten, öffentlichem Druck sowie Interventionen der
IG Metall und der Arbeitnehmerseite im Aufsichtsrat wurde anschließend ein sogenanntes Bündnispapier vereinbart. Dieses schuf die Grundlage dafür, unter Beteiligung von Beschäftigten, Betriebsräten und IG Metall eine Sonderprüfung zur Zukunft der Eigenfertigung von E-Motoren und Invertern durchzuführen.
Im Rahmen dieses Prozesses wurden Wirtschaftlichkeit, technologische Perspektiven und strategische Bedeutung der Eigenfertigung neu bewertet. Die Entscheidung über die zukünftige Ausrichtung war ursprünglich bis Ende März 2026 angekündigt und wurde nun durch den Vorstand getroffen.
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